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geschrieben von Thomas Böhlert am 11.05.2020

Ein Privatgarten bekommt Struktur

Hallo zusammen, ich bin Thomas, 20 Jahre alt und arbeite bei der Sollazzo und Wetzel GmbH in Ratingen.

In meinem ersten Blogbeitrag möchte ich über ein Thema berichten, welches – zugegebenermaßen – für meinem Beruf relativ gewöhnlich ist, jedoch auch ein gewisses Geschick und Wissen erfordert: Erdarbeiten.

Die Ausgangssituation

In vielen Firmen erlebt man als Azubi selten Baustellen über einen langen Zeitraum mit. Anders ist das bei unserem aktuellen Projekt in Ratingen. Hier steht die Neugestaltung eines modernen, großen und teils naturbelassenen Gartens an – allein die Rasenfläche auf dem hinteren Teil des Grundstücks besitzt über 800 m²! Seitlich des Wohnhauses und am Pool soll ebenfalls Rasenfläche entstehen.

Da der Boden hier sehr lehmig ist, haben wir bereits Bodenverbesserungen mit Sand und Lavasubstrat durchgeführt. Außerdem sind Leitungen für die Bewässerung des Rasens und der Beete verlegt worden und es wurden mehrere Terrassen aus Granitplatten gebaut sowie erste Pflanzungen durchgeführt.

Damit Pflanzen (in unserem Fall Gräser) gut wachsen können, ist eine Schicht aus lockerem, nährstoffreichen und nicht zu trockenem Boden erforderlich, sogenannter Oberboden (das ist übrigens der Fachbegriff, viele sagen auch Mutterboden). Dieser wird auf dem vorhandenen Boden aufgebracht. Da wir eine Raseneinsaat geplant haben, reichen 20 cm dieser Bodenschicht.

Mein Vorarbeiter planiert also den alten, verbesserten Boden mit dem 3,5 T Bagger. Die Höhe dafür haben wir gegeben: Auf der einen Seite die Unterkante der Stufenanlage, auf der anderen die Terrasse am Pool. Mit einer dazwischen gespannten Maurerschnur lässt sich die Höhe leicht ermitteln. Da Rasen nicht so tief wurzelt, reicht eine Oberbodenschicht von 20 cm.

Wir planieren den vorhandenen Boden also auf „20 cm unter Schnur“, damit die Oberbodenschicht dick genug ist, aber nicht höher als die Terrasse oder die Stufenanlage wird. Anschließend brauchen wir den Oberboden. Dieser wird mit einem Sattelzug angeliefert, vorne vor der Garage des Kunden kann das Material zwischengelagert werden. Meine Aufgabe besteht darin, den Boden mit dem Radlader hinten in den Garten zu fahren.

Die Schwierigkeit dabei: Neben den Haus befindet sich eine enge Baustraße. Links die frisch verputzte und gestrichene Hauswand, rechts gestapelte Betonplatten auf Paletten. Die meisten Radlader sind Knicklenker, beim Drehen des Lenkrads bewegt sich also das gesamte Heck mit und schert aus. Leider bin ich deshalb zuvor bereits mit dem Heck des Radladers an eine Hausecke gekommen. Nicht schön, aber auch keine Katastrophe (brauchte mein Chef nicht einmal zu erfahren, ein Verputzer der auch auf der Baustelle war hat uns einen kleinen Gefallen getan 😉).

Man muss sich – auch wenn es manchmal albern ist – auf Erdbaumaschinen wie Bagger oder Radlader immer anschnallen. Dies verhindert, dass man nicht aus der umkippenden Maschine fallen kann und von der Kabine erschlagen wird. Das haben wir auf unserem ersten Maschinenlehrgang in Kempen gelernt. Natürlich ist der Landschaftsgärtner ein schöner Beruf, allerdings ist er auch mit Gefahren verbunden. Wenn man aber weiß, was man tut, lassen sich Unfälle leicht vermeiden. Ich weiß, das ist zwar eine Phrase, stimmt aber zu 100%.

Den Boden haben wir anschließend hinten im Garten aufgeschüttet und planiert. Mein Vorarbeiter hat diesen dann mit der Baggerschaufel leicht angedrückt; dadurch kann er nicht mehr nachsacken, wird aber auch nicht zu stark verdichtet. Ich habe in der Zeit die Randbereiche an den Terrassen mit der Harke planiert, da der Bagger dort Schäden anrichten könnte.

Das Fahren und Planieren des Bodens hat mit zwei Arbeitern etwa vier bis fünf Stunden in Anspruch genommen. Bei diesen Arbeiten ist aber immer ein großer Fortschritt zu sehen, was einem selbst, aber auch dem Kunden das Gefühl gibt, dass es voran geht. Wichtig: Nach Fertigstellung der Arbeiten die vorhandenen Flächen (also Terrassen/Wege) einmal sauber machen. Hier das fertige Ergebnis:

Nächste Woche stehen im Eingangsbereich des Hauses ein Weg und eine kleine Terrasse aus Keramikplatten an – ich bin gespannt, Keramikplatten habe ich noch nie verlegt.

Also dann: Bis zum nächsten Mal.

Euer Thomas

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