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geschrieben von Lucia Schaller am 16.06.2020

Künstlerische Herausforderung beim Bau einer Ruinenmauer

Moin aus der wunderschönen, grünen Hansestadt Hamburg! Ich bin Lucia, 20 Jahre alt und mache seit dem Sommer 2019 eine Ausbildung bei Beran Gärten GmbH & Co.KG. In meinem ersten Blogbeitrag möchte ich euch heute von dem „einzigartigen“ Bau einer Ruinenmauer erzählen.

Der Wunsch des Kunden war ziemlich eindeutig: Neben der kompletten Umgestaltung des Vorgartens wünschte er sich eine Ruine, die aus seinem Vorgarten herausragt. „Es soll so aussehen, als wäre diese Ruinenmauer der Überrest eines alten Hauses und wir hätten unser Haus dreisteshalber einfach dahinter gebaut“, lautete seine Vorstellung . Als Material hat sich der Kunde gebrauchte Klinkersteine ausgesucht, damit die Ruinenmauer wirklich authentisch und alt aussieht. Die Klinkersteine wurden aufwendig von einem Hausabriss recycelt und über einen Händler weiterverkauft.

Nachdem unser Baustellenleiter uns noch einmal das Wesentliche aus dem Leistungsverzeichnis und dem Plan nahegelegt hatte und die notwendigen Absteckarbeiten fertig waren, ging es auch schon zügig mit dem Maurern los! Der Zement-Rührer wurde geschwungen, die ersten paar Säcke TrassZement-Mörtel wurden angemischt und die ersten Reihen Klinker von uns gesetzt.

Nach den ersten vier Reihen stellte sich uns die Herausforderung, die Ruinenmauer noch antiker und zerstörter und nicht „zu perfekt und gradlinig“ aussehen zu lassen. „Frau Schaller, das ist doch ganz einfach: Sie dürfen hier endlich einmal erlaubterweise pfuschen“, waren die Worte des Kunden. In manchen Azubi-Ohren mag das vielleicht wie Musik klingen. Jedoch kann ich euch versichern, dass es wirklich nicht einfach ist, so zu „pfuschen“, dass es nur optisch sichtbar ist, die Mauer an sich aber trotzdem sicher gebaut ist. Die üblichen Kriterien des Mauerbaus müssen natürlich trotzdem eingehalten werden. Also schauten wir uns im Internet noch einmal Bilder von Ruinen an, überlegten zusammen, wie wir den Charme einer alten Ruine am besten rüberbringen könnten. Wir schlugen vereinzelte Ecken der Klinker noch stärker ab und ließen den ein oder anderen Klinker aus der Reihe tanzen und die Enden der Mauer diagonal zum Boden zulaufen.

Dies ist der kreative Part an dem Beruf des Landschaftsgärtners, der mir so unglaublich gut gefällt! Der Kunde erzählt dem Gartenarchitekten, was er sich vorstellt, im Planungsbüro durchläuft der Entwurf verschiedene Stadien der Planung und Kalkulation und kommt mit gewissen Vorgaben bei uns auf der Baustelle an. Wie aber schlussendlich die Mauer Gestalt annimmt, liegt in der Hand des ausführenden Landschaftsgärtners. Manchmal ist man an sehr strikte Vorgaben gebunden, wie zum Beispiel bei Verbund-Pflasterarbeiten oder man hat, wie in diesem Fall, eine etwas größere künstlerische Freiheit was die Umsetzung und Gestaltung anbelangt.

Als kurzes Fazit kann man also sagen, dass es mir in diesem Blogpost gar nicht um die Technik vom Bau einer Ruinenmauer geht, sondern um die Herausforderungen, die sich uns stellen, den Wünschen und Anforderungen des Kunden gerecht zu werden. Und darum, dass man selbst ein umso tolleres Gefühl hat, wenn der Kunde zufrieden ist. So wie wir uns beispielsweise unheimlich über die netten Worte des Kunden zum Feierabend hin gefreut haben: „Es ist nicht gut, sondern perfekt! Weiter so!“ Der Gedanke, dass wir dem Kunden seinen Traum erfüllt haben, ist für mich sehr motivierend.

Bis zum nächsten Mal aus Hamburg

Eure Lucia

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